|
Das arithmetische Kodieren wird zur verlustfreien Datenkompression eingesetzt und ist eine Form der Entropiekodierung. Dieser Artikel beschreibt nur, wie man mit einem gegebenen Satz von Zeichen-Wahrscheinlichkeits-Paaren einzelne Zeichen kodieren kann, welche eine möglichst kleine mittlere Wortlänge benötigt. Dabei ist durch die Entropie (mittlerer Informationsgehalt) eine untere Schranke gegeben (Quellencodierungstheorem). Da zu einem Entropiekodierer immer auch ein Modell gehört, sollten die zusätzlichen Informationen aus dem Artikel zur Entropiekodierung entnommen werden.
GrundprinzipDas Verfahren funktioniert theoretisch mit unendlich genauen reellen Zahlen, auch wenn in den eigentlichen Implementierungen dann wieder auf endlich genaue Integer- oder Gleitkommazahlen zurückgegriffen werden muss. Dies führt aber immer dazu, dass gerundet werden muss und somit das Ergebnis nicht mehr optimal ist. Die Eingaben für den Arithmetischen Kodierer werden im Folgenden als Zeichen oder Symbole bezeichnet. Die Ausgabe für den Kodierer ist eine reelle Zahl (hier mit x bezeichnet). Zuerst müssen sich Kodierer und Dekodierer auf ein Intervall einigen, in dem sich die Zahl x befinden soll. Normalerweise wird hier der Bereich zwischen 0 und 1 (exklusive) benutzt, also Außerdem müssen Kodierer und Dekodierer bei der De- bzw. Kodierung eines Zeichens immer identische Tabellen mit den Wahrscheinlichkeiten aller möglichen dekodierbaren Zeichen zur Verfügung haben. Für die Bereitstellung dieser Wahrscheinlichkeiten ist das Modell verantwortlich. Eine Möglichkeit ist, vor dem Kodieren speziell für die Eingabedaten eine Häufigkeitsanalyse zu erstellen und diese dem Dekodierer, zusätzlich zur eigentlichen Nachricht, mitzuteilen. Kodierer und Dekodierer verwenden dann für alle Zeichen diese Tabelle. Zunächst zum Kodierer:
Nun der Dekodierer: Der Dekodierer kann nun ein Zeichen nach dem anderen entschlüsseln, indem er folgende Schritte ausführt:
Bei diesem Algorithmus fällt auf, dass er nicht terminiert: Es ist allein an der Zahl x nicht erkennbar, wann das letzte Zeichen dekodiert wurde. Es muss dem Dekodierer also immer durch eine zusätzliche Information mitgeteilt werden, wann er seine Arbeit beendet hat. Dies wird üblicherweise in Form einer Längenangabe realisiert, kann aber auch (bspw. wenn bei der Kodierung nur ein einziger Datendurchlauf erwünscht ist) durch ein Sonderzeichen mit der Bedeutung „Ende“ geschehen. Die Intervallteilung Die Subintervalle müssen so gewählt werden, dass Kodierer und Decodierer die Größe und Position gleich bestimmen. Wie oben schon erwähnt, ergibt sich die Größe der Subintervalle aus den Wahrscheinlichkeiten der Zeichen. Die Anordnung (Reihenfolge) der Intervalle dagegen ist für die Qualität des Algorithmus nicht von Bedeutung, so dass man hier eine beliebige Reihenfolge fest vorgeben kann. Diese ist Gegenstand einer Vereinbarung (z. B. alphabetische Ordnung). Eine Möglichkeit für die Berechnung der Intervalle ist folgende:
Il und Ih sind die Grenzen des Intervalls. Is ist die Größe des Intervalls, also Ih − Il. Die beiden Werte L und H sind die Summe der Wahrscheinlichkeiten aller Zeichen mit einem Code kleiner, bzw. kleiner gleich dem zu kodierenden Zeichen x.
BeispielIn diesem Beispiel wird die Zeichenkette "AAABAAAC" komprimiert. Zuerst wird für die Größe der Subintervalle die Häufigkeiten aller Zeichen benötigt. Der Einfachheit halber wird eine statische Wahrscheinlichkeit für alle Zeichen verwendet.
Die optimale Bitzahl ergibt sich aus der Formel für die Entropie. Mit diesem Wert lässt sich errechnen, dass der Informationsgehalt der Zeichenkette 8,49 Bits entspricht. Nun zum Ablauf. Die folgende Tabelle zeigt die genauen Werte für die Subintervalle nach dem Codieren der einzelnen Zeichen. Die Grafik rechts veranschaulicht die Auswahl der Subintervalle noch einmal.
Gespeichert wird eine beliebige, möglichst kurze Zahl aus dem letzten Intervall, also z. B. 0,336. Das entspricht zwischen 8 und 9 Bits. Die Huffman-Kodierung hätte für die gegebene Zeichenfolge dagegen 10 Bit benötigt (1 für jedes A und je 2 für B und C) Der Unterschied beträgt in diesem Beispiel 10%. Der Gewinn wird größer, wenn die tatsächlich von der Huffman-Kodierung verwendete Bitzahl mehr von der optimalen abweicht, also wenn ein Zeichen extrem häufig vorkommt. Der Dekodierer nimmt diese Zahl zum Dekodieren. Dabei läuft Folgendes ab:
OptimalitätWarum ist der arithmetische Kodierer optimal? Die Größe des Intervalls ist direkt verbunden mit der Anzahl der Nachkommastellen (bzw. Bits), die notwendig sind, um eine Zahl aus diesem Intervall darzustellen (dem so genannten Informationsgehalt). Je kleiner das Intervall, um so mehr Bits sind notwendig. Es gibt Ausnahmen, die es erlauben manchmal weniger Bits zu verwenden, diese Ausnahmen treten aber selten auf. Ein Beispiel mit dezimalen Zahlen. In einem Intervall der Größe 10 − 3 lässt sich immer eine Zahl mit 3 Stellen nach dem Komma finden. Zwischen 0,11123 und 0,11223 liegt beispielsweise 0,112. Ist die Größe des Intervalls I, so ist die Anzahl der notwendigen Dezimalstellen − log10I. Um für binäre Zahlen die Anzahl der Bits zu berechnen, wird anstatt mit Zehnerpotenzen und dekadischem Logarithmus (die im Dezimalsystem verwendet werden, siehe oben) mit Zweierpotenzen und dem dyadischen Logarithmus log2 gerechnet. Die Anzahl der notwendigen Bits ist also − log2I. Nach jedem Kodierungsschritt wird das Intervall um einen Faktor kleiner, der der Wahrscheinlichkeit des Zeichens entspricht, da die Größe der Subintervalle diesen Wahrscheinlichkeiten entspricht. Die neue Intervallgröße ist also
Es kommen also genau so viele Bits zum Ausgabestrom hinzu, wie die Entropie verlangt. Somit ist die arithmetische Kodierung in Bezug auf den Informationsgehalt optimal. ImplementierungDa man bei einer konkreten Implementierung nicht mit unendlich genauen reellen Zahlen arbeiten kann, muss die konkrete Umsetzung des Algorithmus etwas anders erfolgen. Die maximale Genauigkeit der Zahlen ist im allgemeinen fest vorgegeben (z. B. 32 Bits) und kann diesen Wert nicht überschreiten. Deshalb kann man einen Arithmetischen Kodierer nicht auf einem realen Computer umsetzen. Um das Problem der begrenzten Genauigkeit zu umgehen, werden zwei Schritte unternommen:
Punkt 1 führt eigentlich dazu, dass der Algorithmus kein Arithmetischer Kodierer mehr ist, sondern nur ähnlich. Es gibt aber einige eigenständige Algorithmen, die vom Arithmetischen Kodierer abstammen; diese sind:
Trotz dieser Verfahren bleiben verschiedene Probleme mit der Arithmetischen Kodierung:
Weblinks |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
This article is from Wikipedia. All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License.
Mercedes Car
This site monitored by SitePinger.net