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Tux, das Linux-Maskottchen
Seit seiner ersten Veröffentlichung hat sich Linux, ein auf GNU basierendes Betriebssystem, stark weiterentwickelt. Es gab Streit um den Namen und neue Unterstützer sind ebenso hinzugekommen wie auch Gegner. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die Geschichte von Linux. Ein allgemeiner Überblick über die Thematik Linux selbst findet sich im Hauptartikel Linux.
Entwicklungen im VorfeldDie Geschichte von Linux und Unix ist eng mit einander verflochten, aber dennoch nicht gleich. Anfangs, bis 1979 die Unix-Version V7 erschien, war Unix ein praktisch frei verfügbares System. Bis dahin wurde der Quellcode von Unix gegen Erstattung der Kopier- und Datenträgerkosten frei an Universitäten und andere Einrichtungen verteilt – Unix hatte damit als eines der ersten Betriebssysteme den Charakter eines freien, gut portablen Betriebssystems. Der Code wurde auch in Vorlesungen und Veröffentlichungen verwendet und konnte nach den eigenen Vorstellungen entsprechend geändert, ergänzt oder portiert werden. In den folgenden Jahren, den frühen Achtzigern, setzte jedoch ein kommerzielleres Denken ein, ohne das man viele Diskussionen um die GPL (oder LGPL) oder andere Lizenzmodelle kaum nachvollziehen kann. AT&T beschloss, das gesamte System, bestehend aus eigenem geistigem Eigentum, aber auch aus frei beigesteuerten Erweiterungen, als proprietäres AT&T Unix zu vermarkten, folglich durfte nun auch der AT&T-Quellcode nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht werden. Das sorgte insbesondere im universitären Umfeld für Unverständnis, und 1983 gründete Richard Stallman das GNU-Projekt mit dem Ziel, ein Unix-ähnliches, POSIX-kompatibles Betriebssystem zu schaffen. Zwei Jahre später gründete er die Free Software Foundation (FSF) und schrieb die GNU General Public License (GPL), um freie Software im Copyright-System zu ermöglichen. Auf diesem Wege verbreitete sich die GNU-Software sehr schnell und wurde von vielen Menschen weiterentwickelt. Es entstand in kurzer Zeit eine Vielzahl von Programmen, so dass bereits Anfang 1990 genug GNU-Software bereitstand, um ein eigenes Betriebssystem daraus zu erstellen. Allerdings fehlte noch immer ein Kernel. Dieser sollte eigentlich im Projekt GNU Hurd entwickelt werden. Doch der als Mikrokernel ausgelegte Kern entwickelte sich nur sehr schleppend, weil das Finden und Beheben von Fehlern (Debuggen) aufgrund technischer Besonderheiten sehr schwierig und aufwändig war. Ein anderes Projekt rund um ein Betriebssystem aus freier Software war in den 1980er Jahren auch die Berkeley Software Distribution, kurz BSD. Diese hatte sich aus Eigenentwicklungen der Universität Berkeley aus den Unix-Versionen der 4er Edition und folgender von AT&T entwickelt. Da aber in den BSD-Versionen noch immer Code von AT&Ts Unix enthalten war, kam es Anfang der 1990er Jahre zu einem Rechtsstreit zwischen AT&T und der Universität Berkeley, der die Entwicklung von BSD stark einschränkte und einige Jahre stark verlangsamte. Anfang der 1990er gab es also kein vollständiges, freies Betriebssystem. Die Zukunft von BSD war wegen des Rechtsstreits ungewiss, die Weiterentwicklung gelähmt, das GNU-Projekt wurde zwar konstant weiterentwickelt und ausgebaut, verfügte aber über keinen UNIX-artigen Kernel, vielmehr war es eine Anzahl freier Softwareprojekte, die auf den verschiedensten (proprietären) UNIX-Varianten mittels des GNU-Compilers übersetzt werden konnten und lauffähig waren. Historische EntwicklungEntstehung des Linux-Kernels1991 begann Linus Torvalds in Helsinki mit der Entwicklung des Kernels, der später Linux genannt wurde. Anfänglich war es eine Terminalemulation, die Torvalds zum Zugriff auf die großen UNIX-Server der Universität benutzte. Er schrieb das Programm hardwarenah und unabhängig von einem Betriebssystem, weil er die Funktionen seines neuen PCs mit einem Prozessor des Typs 80386, dessen x86-Befehlssatz auch heute noch zum Standard zählt, optimal nutzen wollte. Als Grundlage dienten dabei das Minix-System und der GNU-C-Compiler. Irgendwann, so Torvalds in seinem Buch Just for Fun[1] merkte er, dass er eigentlich ein Betriebssystem geschrieben hatte. Am 25. August 1991 kündigte er in einem Usenet-Posting an die Gruppe comp.os.minix dieses System an. Dieses Usenet-Posting wird an vielen Stellen immer wieder zitiert und dürfte zu den bekanntesten Postings im Usenet zählen:
Am 17. September 1991 wurde Linux in der Version 0.01 das erste Mal öffentlich auf einem FTP-Server zur Verfügung gestellt. Der Name LinuxEigentlich sollte Linux nach dem Willen von Linus Torvalds Freax heißen, eine Wortschöpfung aus Freak (Verrückter, aber auch jemand, der sich für etwas begeistert), Free für Freie Software und dem oftmals üblichen x in Anspielung auf die Ähnlichkeit zu Unix. Aus diesem Grund hatte Torvalds zu Beginn seiner Arbeit an dem System etwa ein halbes Jahr lang die Dateien unter Freax abgelegt. Auch den Namen Linux hatte sich Torvalds bereits überlegt, er erschien ihm aber zu egozentrisch. Um anderen Leuten die Möglichkeit zu geben, am System mitzuarbeiten oder Verbesserungsvorschläge zu machen, sollten die Dateien im September 1991 auf dem FTP-Server (ftp.funet.fi) der Helsinki University of Technology (HUT) abgelegt werden. Der damalige Verantwortliche für den Server, Ari Lemmke (Mitarbeiter am HUT), war mit dem Namen Freax nicht einverstanden, er bevorzugte den Arbeitsnamen Linux. Ohne mit Torvalds darüber zu diskutieren, nannte er den Bereich am Server einfach Linux, was Torvalds schließlich akzeptierte, um große Diskussionen zu vermeiden und auch, wie Torvalds zugibt, weil Linux einfach der bessere Name war. Im Sourcecode der Version 0.01 von Linux kam noch der Name Freax vor („Makefile for the FREAX-kernel“), später wurde nur noch der Name Linux verwendet. So setzte sich der eigentlich gar nicht geplante Name Linux weltweit durch. Linux unter der GNU GPLTorvalds gab Linux zuerst unter einer eigenen, proprietären Lizenz heraus, entschied sich aber später dafür, die GNU GPL den übrigen Urhebern vorzuschlagen. Im Changelog zur Version 0.12 im Januar 1992 kündigt er die Lizenzänderung an.[3] Die Mitte Dezember 1992 veröffentlichte Version 0.99 ist die erste Version unter der GNU GPL.[4] Dieser Schritt machte es erst möglich, Linux als freies Betriebssystem zu vertreiben. Dieses Ereignis zog weltweit viele Programmierer an, die sich an der Entwicklung von Linux und GNU beteiligten. Später sagte Linus Torvalds in einem Interview, dass die Entscheidung, Linux unter die GNU GPL zu stellen, die beste gewesen sei, die er je getroffen habe: „Making Linux GPL'd was definitely the best thing I ever did.“[5] GNU/LinuxDie Bezeichnung Linux wurde von Torvalds anfänglich nur für den von ihm initiierten Kernel genutzt. Der Kernel wurde aber häufig zusammen mit anderer Software, vor allen der des GNU-Projekts ausgeliefert. Diese GNU-Variante wurde schnell zur meist genutzten Variante von GNU, da es zu dieser Zeit keinen anderen funktionierenden freien Kernel gab. Als im Laufe der Zeit der Name Linux auch häufig für diese Softwaresammlungen genutzt wurde, versuchte der Gründer des GNU-Projekts, Richard Stallman, bald, den Namen GNU/Linux durchzusetzen, um der Rolle von GNU eine in seinen Augen angemessene Geltung zu verschaffen.[6] Im Juni 1994 wurde im GNU’s Bulletin mit „freier UNIX-Klon“ auf Linux verwiesen und im selben Jahr gab das Debian-Projekt seiner GNU/Linux-Distribution den Namen GNU/Linux. In der Januarausgabe 1995 des GNU’s Bulletin änderten sich die Verweise auf Linux zu GNU/Linux. Im Mai 1996 gab Richard Stallman den Editor Emacs 19.31 heraus, in dem der Systemtyp von Linux nach Lignux umbenannt wurde. Er meinte, es wäre angemessen, die Begriffe Linux-based GNU system, GNU/Linux system oder Lignux zu benutzen, um auf die Kombination von Linux-Kernel und GNU-Software hinzuweisen. Er gab jedoch bald den Ausdruck Lignux auf und benutzte nur noch GNU/Linux. Insgesamt stieß die Forderung auf unterschiedliche Reaktionen. Während das GNU-Projekt und das Debian-Projekt den Namen annahmen, lehnten die meisten Entwickler und anderen Linux-Distributoren dies ab oder widersetzten sich deutlich. Begründet wurde dies einerseits mit Bequemlichkeit, weil der Name Linux als einfacher angesehen wurde, und andererseits mit dem Hinweis, dass mittlerweile eine beachtliche Menge der mit Linux ausgelieferten Software nicht aus dem GNU-Projekt stamme. Ein Grund für das Ausbleiben des Begriffs »GNU/Linux« ist sicherlich, dass »Linux« einfach ein deutlich einfacherer, griffigerer Begriff ist. Das System einfach »GNU« zu nennen und den Kernel dabei unter den Tisch fallen zu lassen, traut sich niemand. Ein weiterer Grund für die weit verbreitete Nutzung des Begriffs »Linux« für das System ist wohl, dass Linus Torvalds es seit der Veröffentlichung 1992 schon immer Linux genannt hatte. Stallman hingegen meldete seine Forderung nach Namensänderung erst an, nachdem das System bereits populär geworden war. Siehe auch: GNU/Linux-Namensstreit Das MaskottchenHauptartikel: Tux 1996 kündigte Torvalds ein Maskottchen für Linux an, es sollte ein Pinguin werden. Die Bedingungen, die an das Maskottchen gestellt wurden, finden sich unter anderem in Torvalds Biografie Just For Fun:
Larry Ewing erstellte daraufhin den ursprünglichen Entwurf des heute bekannten Maskottchens. Den Namen Tux schlug James Hughes als Ableitung von Torvalds UniX vor. Ein weiterer Grund für diese Konstruktion ist vermutlich auch, dass die Farben der Pinguine den Eindruck vermitteln, als würden sie einen Smoking tragen, der im Englischen tuxedo heißt. Neuere EntwicklungenLinux-KernelAls Linux-Kernel-Betreuer sind neben Torvalds auch Alan Cox und Marcelo Tosatti sehr bekannt. Cox betreute bis Ende 2003 die Kernel-Reihe 2.2, Tosatti kümmerte sich bis Mitte 2006 um die Version 2.4 und Andrew Morton steuert die Entwicklung und Verwaltung des neuen 2.6-Kernels, welcher am 18. Dezember 2003 in einer als stabil (stable) vorliegenden Version veröffentlicht wurde. Auch die älteren Zweige werden nach wie vor ständig verbessert. Der Erfolg von Linux in vielen Einsatzbereichen ist insbesondere auf die Eigenschaften freier Software bezüglich Stabilität, Sicherheit, Erweiterbarkeit und Wartbarkeit, aber auch auf die entfallenden Lizenzkosten zurückzuführen. DesktopMit den grafischen Benutzeroberflächen wie KDE oder GNOME bietet Linux im Bereich der Desktops mittlerweile einen vergleichbaren Komfort zu Microsoft Windows oder Mac OS. Umfangreiche Tests der Umgebungen auf Benutzerfreundlichkeit und Effizienz ermöglichen ein Nutzen des Computers ohne besondere Kenntnisse. Techniken wie Xgl oder AIGLX ermöglichen darüber hinaus hardwarebeschleunigte, grafische Effekte auf dem Desktop. Neben dem wachsenden Angebot proprietärer Software für Linux hat vor allen Dingen die Community das Softwareangebot für Linux stetig vergrößert und in unterschiedlichste Bereiche ausgedehnt: Mit der Zeit sind immer mehr freie Softwareprojekte entstanden, die von Entwicklungsumgebungen über Businessanwendungen bis hin zu komplexen Multimediaanwendungen reichen. Die Windows-API-Nachbildung Wine erlaubt es außerdem, mit einer stetig steigenden Anzahl von für Windows geschriebenen Programmen auch unter Linux zu arbeiten. Die auf den Desktop ausgelegten Distributionen lassen sich einfach installieren, es werden aber auch zunehmend Komplettrechner mit vorinstalliertem Linux ausgeliefert, was der Verbreitung als Einzelplatzsystem Vorschub leistet. Im Bereich mit Masseninstallationen wie in Firmen oder Behörden hat Linux durch groß angelegte Migrationen z. B. in München oder Wien von sich Reden gemacht. Der Erfolg eines Desktopsystems wird aber auch durch die Verbreitung von Spielen entschieden. Einige neue Spiele der großen Spielehersteller kommen auch in Linuxversionen heraus, so stehen z. B. auch id Softwares grafiklastige Spiele Doom 3, Quake 4 sowie die Teile 1 bis 3 der Quake-Reihe für Linux zur Verfügung. Community
LinuxTag 2004 in Karlsruhe
Der größte Teil der Arbeit an und um Linux wird durch die Community, also durch freiwillige Mitarbeiter auf der ganzen Welt, erledigt. Diese teilweise auch von Firmen unterstützten oder direkt angestellten Programmierer und Entwickler helfen nicht nur direkt bei der Entwicklung des Kernels, sondern auch beim Schreiben der gesamten Zusatzsoftware, die für und rund um Linux zur Verfügung steht. Dabei gibt es sowohl die vollständig frei und selbstorganisierten Projekte wie Debian, aber auch die mit Firmen direkt verbundenen Projekte wie Fedora Core und openSUSE. Die Mitglieder der jeweiligen Projekte treffen bei verschiedenen Konferenzen und Messen zusammen, um sich auszutauschen. Eine der größten Messen ist dabei der LinuxTag, bei dem jährlich etwa 10.000 Menschen zusammen kommen, um sich über Linux und die darum angesiedelten Projekte zu informieren und auszutauschen. Open Source Development LabsDie Open Source Development Labs (OSDL) wurden im Jahr 2000 gegründet und sind eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die das Ziel verfolgt, Linux für den Einsatz in Daten-Centern und im Carrier-Bereich zu optimieren. Es dient als gesponserte Arbeitsstelle für Linus Torvalds und lange Zeit auch für Andrew Morton, der aber Mitte 2006 zu Google wechselte, in dessen Auftrag er seitdem am Linux-Kernel arbeitet. Torvalds kümmert sich im Auftrag des OSDL in Vollzeit um die Entwicklung des Linux-Kernels. Finanziert wird die nichtkommerzielle Einrichtung von namhaften Firmen wie Red Hat, Novell, Mitsubishi, Intel, IBM, Dell und HP. FirmenMittlerweile verdienen eine Reihe von Firmen mit Linux Geld. Diese Firmen, von denen die meisten auch Mitglieder der Open Source Development Labs sind, investieren teilweise erhebliche Ressourcen in die Weiterentwicklung und den Ausbau von Linux, um es für verschiedene Einsatzbereiche tauglich zu machen. Dies reicht von Hardwarespenden an Entwickler über Treiber und Geldspenden für Stiftungen, die sich mit Linux-Software beschäftigen, bis hin zur Anstellung von Programmierern bei der Firma selbst. Bekannte Beispiele dafür sind IBM und HP, die Linux vor allen Dingen auf den eigenen Servern einsetzen, als auch Red Hat, das eine eigene Distribution unterhält. Ebenso unterstützt Qt Software Linux durch die Entwicklung und die GPL-Lizenzierung von Qt, was die Entwicklung von KDE erst möglich macht, und durch die Förderung einiger X- und KDE-Entwickler. Streit um LinuxSeit Beginn der Entwicklung gab es immer wieder Streit um das System. Andrew Tanenbaum„Linux is obsolete“1992 kam es durch einen Usenet-Artikel Andrew S. Tanenbaums in der Newsgroup comp.os.minix mit dem Titel Linux is obsolete zu einer berühmt gewordenen Debatte um die Struktur des Linux-Kernels, in dem der anerkannte Informatiker und Autor des Mikrokernel-Systems Minix Tanenbaum eine ganze Reihe von Kritikpunkten an dem damals noch recht jungen Linux-Projekt anbrachte. Vor allem kritisierte er [7]
Rückblickend kann man heute sagen, dass Tanenbaum mit seiner Prognose, Linux sei innerhalb weniger Jahre veraltet und durch ein (aus seiner Sicht) modernes GNU Hurd ersetzt, falsch lag. Linux ist auch auf alle wichtigen Plattformen portiert worden. Das liberale Entwicklungsmodell hat zu einer beispiellosen Geschwindigkeit bei der Weiterentwicklung geführt, GNU Hurd ist immer noch nicht so weit, dass man es auf einem Server einsetzen könnte. Das Buch SamizdatJahre später wurde Andrew Tanenbaum erneut mit Linux in Verbindung gebracht. Als Ken Brown sein bis heute nicht erschienenes Buch Samizdat schrieb und deshalb mit Tanenbaum sprach, erklärte dieser, Torvalds habe nicht von ihm abgeschrieben. In seiner Stellungnahme zu Brown schrieb er einen Abschnitt, der sein Verhältnis zu Linux gut dokumentiert: Natürlich habe Torvalds sein Buch und Minix gekannt.
Konkurrent MicrosoftObwohl es Torvalds nach eigener Aussage nicht interessierte, ob Microsoft (unter anderem Hersteller des Betriebssystems Windows) durch Linux in der Vergangenheit in Bedrängnis geriet (1997–2001), wurde von beiden Seiten ein harter Konkurrenzkampf ausgetragen. Das erste Mal äußerte sich dies deutlich, als Ende Oktober 1998 das erste Halloween-Dokument von Eric S. Raymond an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Dieses von einem Microsoft-Entwickler verfasste Dokument beschäftigt sich ausführlich mit den Gefahren freier Software für Microsoft und zeigt Strategien auf, diesen zu begegnen. Die Free Software Foundation distanzierte sich von der dadurch ausgelösten Verachtung, die sich speziell auf Microsoft bezog und erinnerte die Community daran, dass jeder Produzent proprietärer Software den Software-Anwendern schade. [8] Anfang 2004 erreichte der Konkurrenzkampf eine neue Phase, als Microsoft eine Reihe von in Auftrag gegebenen Studien zum Thema „Windows vs. Linux“ unter dem Namen „Get the Facts“ auf einer eigenen Webseite veröffentlichte. Die Studien sollten anhand von Umfragen, Erhebungen und Untersuchungen nachweisen, dass sich der Betrieb von Linux auf Servern verglichen mit Windows nachteilig auswirkt. Die kommerziellen Anbieter von Linux-Software bemühten sich daraufhin, ebenfalls durch Studien, Umfragen und Erfahrungsberichte, Microsofts Kampagne etwas entgegenzustellen. So hat Novell Ende 2004 eine eigene Webseite unter dem Titel „Die reine Wahrheit“ geschaltet, auf der die Vorteile als auch die rechtliche Sicherheit von Linux hervorgehoben werden. Bemerkenswert dabei ist, dass Novell sich bei vielen Behauptungen explizit auf die von Microsoft veröffentlichten Studien bezieht. Auch IBM veröffentlichte eine Reihe von Studien unter dem Kampagnentitel „The Linux at IBM competitive advantage“, um auf die von Microsoft initiierte Kampagne zu antworten. Red Hat hingegen startete die Kampagne „Truth Happens“, die darauf abzielt, im Gegensatz zu Microsoft die Produkte nicht mit Studien zu bewerben, sondern die Leistungsfähigkeit der Produkte selbst entscheiden zu lassen. Die meisten Mitglieder der Linux-Community nahmen die Thematik aber gelassen und stichelten mit Witzen wie „Linux – und dein PC macht nie wieder blau“ oder „Früher oder später migrieren wir euch“. Unter anderem veröffentlichte auch das Magazin LinuxUser ein nicht ganz ernst gemeintes Review von Windows XP unter den Kritikpunkten einer typischen Linux-Distribution.[9] Im Herbst 2006 kündigten Novell und Microsoft aber an, künftig bei den Themen Interoperabilität und Patentschutz zusammenarbeiten zu wollen.[10] Im Rahmen der Virtualisierung wurde vereinbart, den Austausch von Office-Dokumenten zu verbessern, die Virtualisierung der Enterprise-Lösungen jeweils unter dem Konkurrenz-Produkt zu vereinfachen, sowie die Eingliederung von Linux- und Windows-Maschinen in eine gemeinsame Directory-Struktur zu vereinfachen. Der Patentschutz sah gleichzeitig vor, dass Kunden eines Anbieters für die Nutzung dessen Software vom jeweils anderen Anbieter nicht wegen Patentverletzung verklagt werden dürfen. Dieser Patentschutz wurde auch auf nicht-kommerzielle Freie-Software-Entwickler ausgedehnt. Gerade der letzte Schritt erntete auch Kritik, da er nur nicht-kommerzielle Entwickler mit einschloss. SCO2003 erhob die Firma SCO schwere Vorwürfe gegen den Weltkonzern IBM: Laut der Darstellung von SCO haben IBMs Linuxentwickler Code unverändert aus UNIX übernommen und in Linux eingepflegt. Da SCO für sich die Urheberrechte an UNIX beansprucht und in dem Verhalten von IBM eine Verletzung der eigenen Rechte sieht, wurde eine Klage gegen IBM angestrengt. Gleichzeitig verkauft SCO seit dem Beginn des Verfahrens Linux-Lizenzen an Nutzer, die keine mögliche Klage von Seiten SCOs riskieren wollen. Aber auch das Urheberrecht rund um UNIX ist nicht geklärt: Da Novell dieses ebenfalls für sich beansprucht, eröffnete es ein Verfahren gegen SCO. Eine chronologische Auflistung der Ereignisse ist im Artikel SCO gegen Linux zu finden. Markenrecht am Namen1994 und 1995 hatten mehrere Personen in verschiedenen Ländern versucht, den Namen Linux als Markennamen eintragen zu lassen. Daraufhin ergingen an mehrere Linux-Firmen Aufforderungen zu Lizenzzahlungen, womit viele Entwickler und Anhänger des Linux-Systems nicht einverstanden waren. Linus Torvalds ging mit Hilfe von Linux International gegen diese Eintragungen vor und bekam die Markenrechte der Marke Linux zugeteilt. Diese übergab Torvalds an Linux International, später übernahm diese Arbeit die dafür gegründete, nicht gewinnorientierte Organisation Linux Mark Institute. 2000 legte Linus Torvalds die Grundregeln für die Vergabe der Lizenzen fest. Diese besagen, dass jeder, der ein Produkt oder eine Dienstleistung mit dem Namen Linux anbietet, eine Lizenz dafür besitzen muss, welche durch einen einmaligen Kauf erlangt werden kann. Ausnahmen bilden dabei nicht-kommerzielle Verwendungen, die eine kostenlose Lizenz erhalten können oder keine benötigen. Im Juni 2005 kam ein neuer Streit um die Lizenzgebühren für die Benutzung des geschützten Markennamens Linux auf, weil das Linux Mark Institute, welches Linus Torvalds Rechte vertritt, Preise von 5.000 Dollar statt bislang 500 Dollar für die Verwendung des Namens angekündigt hatte. Begründet wurde der Schritt mit den gestiegenen Kosten für die Durchsetzung der Rechte am Markennamen. In der Community sorgte diese Erhöhung für Unmut und Missverständnisse, weshalb sich Linus Torvalds am 21. August 2005 selbst zu der Thematik zu Wort meldete, um die Wogen zu glätten und die Missverständnisse aufzulösen. In einer E-Mail erläuterte er ausführlich die aktuelle Situation sowie die Hintergründe und ging auch auf die Frage ein, wer Lizenzkosten zahlen müsse:
Chronologie
Bildschirmfoto eines GNOME-Desktops unter Ubuntu 6.10
Quellenangaben
Siehe auchLiteratur
Weblinks
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