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OASIS Open Document Format for Office Applications (Kurzform: OpenDocument, ODF - engl. „Offenes Dokumentformat für Büroanwendungen“) ist ein offener Standard für Dateiformate von Bürodokumenten wie Texten, Tabellendokumenten, Präsentationen, Zeichnungen, Bildern und Diagrammen. OpenDocument nutzt für das eigentliche Dokument eine an den Standard HTML angelehnte Auszeichnungssprache. OpenDocument verwendet auch eine eigene XML-basierte Formatierungssprache. Für mathematische Formeln wird eine Untermenge von MathML verwendet. OpenDocument kann mit beliebigen weiteren XML-Sprachen ergänzt werden. Es wurde ursprünglich von Sun entwickelt, durch die Organisation OASIS als Standard spezifiziert und 2006 als internationale Norm ISO/IEC 26300 veröffentlicht.[1][2]
StandardisierungEnde 2002 wurde bei OASIS das Open Office XML Format Technical Committee gegründet, um ein offenes XML-basiertes Dateiformat für Officeanwendungen auf Basis des Dateiformats von OpenOffice.org zu schaffen.[3] Das OpenDocument-Format wurde im Mai 2005 veröffentlicht. Die Europäische Kommission empfahl 2004 im Rahmen ihres IDA-Programms (Interchange of Data between Administrations),[4] unter anderem OASIS OpenDocument einer offiziellen internationalen Standardisierungsbehörde wie etwa der ISO vorzulegen.[5] Eine offizielle Empfehlung für ein bestimmtes Format wurde jedoch seitens der Kommission nicht ausgesprochen. Im Rahmen der internationalen Standardisierung ist das OpenDocument-Format unter der Nummer ISO/IEC DIS 26300 Open Document Format for Office Applications (OpenDocument) v1.0 standardisiert.[2] Technische BeschreibungEine OpenDocument-Datei ist entweder eine einzelne XML-Datei oder eine Sammlung verschiedener XML-Dateien und anderer Objekte (z. B. eingebundene Bilder), die zu einer ZIP-Format-Datei zusammengefasst werden. Als Dateiendung für OpenDocument-Dateien werden .odt für Texte, .ods für Tabellen, .odp für Präsentationen und .odg für Zeichnungen verwendet. Diese Archivdateien enthalten spezielle Einträge, die sich an der Struktur des Java-Archive-Format orientieren. Damit sich der Dateityp auch unabhängig von der Dateiendung und ohne Dekomprimierungsprogramm (siehe Datenkompression) ermitteln lässt, ist der erste Archiv-Eintrag der MIME-Typ des Dateiinhaltes im Klartext und unkomprimiert. Grundsätzlich enthält jede OpenDocument-Datei in dem Archiv den Ordner META-INF mit der Datei manifest.xml. Die manifest.xml listet alle weiteren Dateien in der OpenDocument-Datei mit den MIME-Typen auf. Alle weiteren Dateien in der OpenDocument-Datei sind üblicherweise komprimierte XML-Dateien, die eine Dokumentstruktur, den Dokumentinhalt, die Dokumentstile und Dokumenteinstellungen beschreiben. Des Weiteren werden Multimediadateien, wie zum Beispiel Bilder, Filme und Musikdateien mit ihrem Binärformat, gegebenenfalls komprimiert, in der OpenDocument-Datei gespeichert. BeispielEine OpenDocument-TextdateiFolgendes Beispiel zeigt die Struktur einer OpenDocument-Textdatei: META-INF manifest.xml Thumbnails thumbnail.png Pictures 10000000000001E800000118B5A37F3F.png mimetype content.xml styles.xml meta.xml settings.xml Dabei ist die Datei mimetype immer unkomprimiert, alle anderen Dateien können komprimiert sein. Im Ordner Pictures befindet sich, in diesem Beispiel, ein Bild im PNG-Format. Die Datei content.xml enthält die Textinhalte des Dokumentes. In styles.xml sind Formatierungen gespeichert. Die Datei meta.xml enthält Metadaten. Zum Beispiel, wie viele Seiten das Dokument enthält, wer der Autor ist und wann es angelegt und geändert wurde. Die Datei thumbnail.png im Ordner Thumbnails zeigt ein kleines Dokumentabbild der ersten Seite des Dokumentes. Dieses Abbild kann von einem Dateibetrachter als Vorschaubildchen verwendet werden. Die dokumentspezifischen Einstellungen finden sich in der settings.xml. Üblicherweise finden sich dort die Druckeinstellungen. Die manifest.xml listet alle Dateien mit Dateityp in diesem Archivformat auf. mimetype-DateiIn der mimetype-Datei steht der Typ der Datei (siehe Abschnitt Dateiendungen und MIME-Typ). In diesem Beispiel application/vnd.oasis.opendocument.text. manifest.xml-DateiDie manifest.xml hat in diesem Beispiel folgenden Inhalt: <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <manifest xmlns="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:manifest:1.0"> <file-entry media-type="application/vnd.oasis.opendocument.text" full-path="/"/> <file-entry media-type="application/vnd.sun.xml.ui.configuration" full-path="Configurations2/"/> <file-entry media-type="image/png" full-path="Pictures/10000000000001E800000118B5A37F3F.png"/> <file-entry media-type="" full-path="Pictures/"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="content.xml"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="styles.xml"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="meta.xml"/> <file-entry media-type="" full-path="Thumbnails/thumbnail.png"/> <file-entry media-type="" full-path="Thumbnails/"/> <file-entry media-type="text/xml" full-path="settings.xml"/> </manifest> meta.xml-DateiAn dem Beispiel der meta.xml Datei kann man sehen, welche Übersichtsinformationen in der OpenDocument-Datei gespeichert werden. Sie folgen teilweise dem Metadaten-Schema Dublin Core (Elemente im Namensraum dc). <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <office:document-meta xmlns:office="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:office:1.0" xmlns:meta="urn:oasis:names:tc:opendocument:xmlns:meta:1.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink"> <office:meta> <meta:generator>OpenOffice.org/1.9.118$Win32 OpenOffice.org_project/680m118$Build-8936</meta:generator> <meta:initial-creator>Vorname Nachname</meta:initial-creator> <meta:creation-date>2005-09-27T16:53:48</meta:creation-date> <dc:creator>Vorname Nachname</dc:creator> <dc:date>2005-09-29T18:12:57</dc:date> <meta:printed-by>Vorname Nachname</meta:printed-by> <meta:print-date>2005-09-29T17:57:42</meta:print-date> <dc:language>de-DE</dc:language> <meta:editing-cycles>11</meta:editing-cycles> <meta:editing-duration>PT6H11M44S</meta:editing-duration> <meta:user-defined meta:name="Info 1"/> <meta:user-defined meta:name="Info 2"/> <meta:user-defined meta:name="Info 3"/> <meta:user-defined meta:name="Info 4"/> <meta:document-statistic meta:table-count="0" meta:image-count="4" meta:object-count="0" meta:page-count="5" meta:paragraph-count="92" meta:word-count="1460" meta:character-count="10405"/> </office:meta> </office:document-meta> Thumbnails/thumbnail.png-DateiDas folgende Bild zeigt die Miniaturansicht der ersten Seite des Beispieldokumentes. Dateiendungen und MIME-TypFolgende Tabelle zeigt einige verwendete Dateiendungen für die unterschiedlichen OpenDocument-Dateien.
Weitere Dateiendungen werden in dem OASIS-Standard (Seite 697 f.) aufgelistet.[6] Kritik
Der ISO-Mitarbeiter Alex Brown zeigte auf, dass es – bedingt durch Fehler in den RELAX NG-Schemata der verschiedenen Standardversionen – keine Anwendung gibt, die gültige OpenDocument-Dateien erzeugt.[9]. Die Entwickler widersprechen jedoch dieser Aussage und führen an, dass das getestete ODF 1.0 nicht mit Open Office 2.4 kompatibel sein kann (denn dieses verwendet ODF 1.1 welches jedoch nicht standardisiert ist) und damit der Testaufbau fehlerhaft sein soll. [10] Open Document Format AllianceSeit Anfang März 2006 existiert die Open Document Format Alliance zur Unterstützung des OpenDocument-Formates. Ziel der Allianz ist es, Entscheidern eine Unterstützung und Lobby für das ODF zu geben. Programme mit Unterstützung für OpenDocumentTextverarbeitung und integrierte Office-Anwendungen
Weitere Programme mit OpenDocument-Funktionen
Einsatz des OpenDocument-Formats bei öffentlichen StellenArgentinienMisiones ist mit einer Million Einwohnern eine von 23 argentinischen Provinzen. Im September 2007 wurde per Dekret für sämtliche behördlichen digitalen Kommunikationen in Dokumenten-Formaten das ODF vorgeschrieben.[29] BelgienIm Rahmen des Belgian Government Interoperability Framework (BELGIF) strebt die belgische Regierung den ausschließlichen Einsatz von offenen Formaten und Standards im externen Datenaustausch an.[30] Für den Austausch von Office-Dokumenten wurde OpenDocument vorgeschlagen[31] und ab September 2007 muss im Rahmen eines Pilotbetriebes jede Bundesbehörde OpenDocument-Formate unterstützen. Falls diese Erprobungsphase positiv abgeschlossen wird, soll ODF ab September 2008 das Standardformat werden. Allerdings hält sich die belgische Regierung die Möglichkeit einer Erweiterung der Liste der zugelassenen Dateiformate um konkurrierende Standards offen.[32] BrasilienIn Brasilien wurde ODF durch die nationale Standardisierungs-Organisation [33] am 8. April 2008 als nationaler Standard akzeptiert.[34] Da die Behörden angewiesen sind, diesen Standard einzusetzen, ist mit einer erheblichen Verbreitung zu rechnen. DeutschlandDiverse Behörden, Gemeinden und Länder setzen Produkte ein, die das ODF-Format unterstützen (z. B. StarOffice, OpenOffice.org). Es ist der von der „Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung“ (KBSt) empfohlene Standard (SAGA 4.0[35]). Das Auswärtige Amt stellt allgemein auf die Nutzung des ODF-Formats auch in sämtlichen der 230 deutschen Auslandsvertretungen um, was zur Kostenreduzierung beiträgt (die Kosten betragen bereits jetzt nur noch ein Drittel der übrigen Ministerien[36]). In einem Grußwort zum internationalen ODF-workshop[37] im Oktober 2007 hat der Außenminister festgestellt: „Das Open-Document-Format als völlig offenes und von der ISO standardisiertes Format ist dabei eine hervorragende Basis, um Wissen und Information in einer Zeit der Globalisierung ungehindert austauschen zu können.“ Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik setzt mit StarOffice auf allen Computern großflächig den ODF-Standard ein, was einen Hinweis auf die Eigenschaften des Formats geben dürfte.[38] Die Bayerische Vermessungsverwaltung kann an allen Dienststellen Dateien im ODF-Format verarbeiten. Die Stadt Freiburg setzt z. B. OpenOffice.org ein.[39] Die Stadt München hat im Rahmen der Umstellung auf Linux bereits über 8000 Nutzer auf OpenOffice.org migriert (Stand April 2008).[40] Aus Sicht der Stadt München wäre ein weiteres Format neben ODF mit erheblichen Mehraufwendungen verbunden.[41] Seit September 2007 können zur Kommunikation mit dem Bundesgerichtshof und dem Bundespatentgericht auch Dateien im ODF-Format versandt werden.[42] Auch das Bundesarbeitsgericht[43] und das Bundessozialgericht[44] nehmen seit geraumer Zeit ODF-Dateien an. Gleiches gilt für die Verwaltungsgerichte und die Finanzgerichte im Lande Nordrhein-Westfalen,[45] u.a. das Finanzgericht Düsseldorf[45] und sämtliche Gerichte in Sachsen.[46] Das gilt (noch) nicht für Länder wie Berlin,[47] Brandenburg,[48] Rheinland-Pfalz,[49] Thüringen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Hamburg.[50] England (Vereinigtes Königreich)Am 1. November 2005 veröffentlichte die BECTA (British Educational Communications and Technology Agency) eine technische Spezifikation, in der neben einigen anderen Dateiformaten die Verwendung von OpenDocument für Office-Dateien empfohlen wird.[51] FinnlandDas finnische Justizministerium hat entschieden, ab 2007 vorrangig OpenOffice.org und das OpenDocument-Format einzusetzen [52] Die Entscheidung fiel nach einer Tiefenprüfung der Einsatzmöglichkeiten von ODF. Andere Ministerien werden eventuell folgen. FrankreichEin am 10. April 2006 veröffentlichter Bericht, der von der französischen Regierung in Auftrag gegeben wurde, schlägt vor, auf europäischer Ebene ODF als Dokumentaustauschformat zu verwenden. Darüber hinaus schlägt der Bericht eine gesetzliche Regelung vor, die die französische Verwaltung zur Verwendung von OpenDocument verpflichten soll.[53] Das französische Innenministerium setzt auf mehr als 40.000 Computern und die französische Gendarmerie mit 80.000 das ODF-Format (OpenOffice.org) ein.[54] KroatienAls Teil des eCroatia 2007 Programms, hat Kroatien die Vorgabe gemacht, für den elektronischen Dokumenten-Austausch durch öffentliche Stellen zukünftig nur ODF und PDF zuzulassen. Die Regierung kündigte auch an, ODF als nationalen Standard Kroatiens zu bestimmen.[55] JapanAm 29. Juni 2007 hat die japanische Regierung einen neuen Standard für E-Government-Anwendungen veröffentlicht, die der Implementierung von Produkten den Vorrang einräumt, die offene Standards verwenden, darunter auch der ODF-Standard.[56][57] MalaysiaSeit April 2008 ist der Einsatz von ODF für alle Behörden zwingend vorgeschrieben.[58] Massachusetts (USA)Gemäß dem Enterprise Technical Reference Model (ETRM)[59] des Commonwealth of Massachusetts müssen alle offiziellen Akten des US-Bundesstaats in einem offenen Dateiformat verfasst und gespeichert werden. Massachusetts definiert offene Dateiformate als Formate, die auf einem offenen Standard basieren, gemeinschaftlich entwickelt wurden, von einer Normungsorganisation verwaltet werden, vollständig dokumentiert und öffentlich einsehbar sind (Seite 16)[59]. Das ETRM 3.5 erlaubt folgende Dateiformate: OpenDocument, Plain Text, HTML und PDF, wobei ab 2007 alle Office-Dateien standardmäßig im OpenDocument-Format gespeichert werden müssen (Seite 18ff)[59]. Der genaue Termin der Umstellung wurde aber noch nicht festgelegt.[60] In einem Interview meinte der damalige Staatssekretär Thomas Trimarco allerdings, dass auch Office Open XML den Vorgaben entsprechen und somit zum Einsatz gelangen könnte.[61] NATODie NATO hat das Open Document Format (ODF) in ihre Liste vorgeschriebener Standards zur Schaffung von Interoperabilität aufgenommen.[62] NiederlandeAb 2009 wird ODF für alle Regierungs-Organisationen verbindlicher Standard: für das Lesen und Schreiben sowie für die Veröffentlichung und den Austausch jeglicher digitaler Information. Allerdings kann die jeweilige Behörde vor der Anschaffung von Software begründen, weshalb im konkreten Fall nicht OpenSource Software (bzw. Software, die ODF unterstützt) zum Einsatz kommt.[63][64] NorwegenIm Dezember 2007 entschied das norwegische Ministerium für Regierungsadministration und Reform (Fornyings- og administrasjonsdepartementet), dass ab 2009 bei allen staatlichen Behörden ODF (ISO/IEC 26300) eingesetzt werden muss, wenn das Aussehen der veröffentlichten Dokumente nach dem Herunterladen noch verändert werden darf. In anderen Fällen wie beispielsweise bei Formularen kann auch PDF eingesetzt werden.[65] ÖsterreichDie Stadt Wien nimmt das ODF-Format entgegen.[66] Das Bundesministerium für Justiz hat angekündigt, alle Arbeitsplatz-PCs in den Gerichten mit OpenOffice.org auszustatten. Damit wird es Gerichten möglich sein, ODF-Dateien zu akzeptieren. Ab Februar 2008 nimmt die Stadt Linz das ODF-Format entgegen und bietet alle Online-Formulare zusätzlich in diesem Format an.[67] SchwedenSchweden hat im August 2008 ODF 1.0 als nationalen Standard angenommen. [68]. SüdafrikaAm 23. Oktober 2007 hat die zuständige Verwaltung der südafrikanischen Regierung (Department of Public Service and Administration of the South African government) einen Bericht zu Standards der Interoperabilität (report on interoperability standards) in Informations-Systemen der Regierung veröffentlicht. Es spezifiziert ODF als den Standard für noch zu bearbeitende Office-Dokumente („working office document formats“) (with UTF-8/ASCII text and comma-separated values data as the only alternatives).[69] Seit April 2008 ist ODF ein nationaler Standard, also nicht mehr nur der in Behörden und Regierungsorganisationen eingesetzte Standard. Ab September 2008 werden alle Regierungsorganisationen in der Lage sein, ODF zu lesen und zu schreiben, ab 2009 wird ODF dort verbindlicher Standard.[70] UruguayDie zuständige staatliche Stelle empfiehlt seit Juni 2008 den Einsatz des ODF für alle noch zu bearbeitenden Dokumente. [71] Siehe auchWeblinks
Einzelnachweise
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