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Vier verschienede Beschreibungen der Zinsstruktur; hier ausgehend von den Swap Raten
Als Zinsstruktur bezeichnet man das Verhältnis verschiedener Zinssätze zueinander. Der jeweilige Zinssatz hängt im Allgemeinen von der Laufzeit, dem Risiko, der steuerlichen Behandlung und sonstigen Eigenschaften der entsprechenden Finanzinstrumente ab. Im Folgenden wird die zeitliche Zinsstruktur betrachtet, bei der die Abhängigkeit des Zinssatzes von der Bindungsdauer einer Anlage (Verzinsliches Wertpapier) im Vordergrund steht. Typischerweise erhält ein Anleger für Geld, das für einen langfristigen Zeitraum fest angelegt wird, einen höheren Zinssatz als für Geld, das nur kurzfristig angelegt wird — der Zinssatz steigt also mit der Bindungsdauer. Eine solche Zinsstruktur wird deshalb als steigend (bzw. normal) bezeichnet. Die Zinsstruktur wird als flach bezeichnet, wenn der Zinssatz von der Bindungsdauer unabhängig ist. Dies ist jedoch die Ausnahme. Selten sind inverse (bzw. fallende) Zinsstrukturen. Sie treten auf, wenn für langlaufende Titel (Anleihe) weniger Zinsen bezahlt werden als für kurzfristige Titel. Die Zinsstruktur wird grafisch in der so genannten Zinskurve (auch Zinsstrukturkurve) veranschaulicht. Mit kurzem Ende bezeichnet man die Laufzeit bis zu einem Jahr und mit dem langen Ende die Laufzeit ab circa fünf Jahren bis zu zehn Jahren in Deutschland und bis zu dreißig Jahren in den USA. Ein ähnlicher Indikator ist der Zinsspread.
BedeutungDie Zinsstruktur hat für Wirtschaftsforscher eine große Bedeutung zur Abschätzung der zukünftigen Entwicklung der Finanzmärkte und der Wirtschaft. Portfolio-Manager, die z. B. für Versicherungen oder Pensionskassen Geld anlegen, schätzen damit Risiken und Anlagestrategien ab. Außerdem sind auf den Kapitalmärkten weltweit sehr große Summen in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, von Zinsänderungen sind also große Kapitalmengen betroffen. Erklärungsmodelle für die ZinsstrukturEs gibt drei Erklärungsmodelle, warum die Höhe des Zinssatzes von der Bindungsdauer abhängig ist. Diese drei Zinsstrukturhypothesen ergänzen sich teilweise, teilweise konkurrieren sie miteinander. Die (reine) ErwartungshypotheseDie reine Erwartungshypothese folgt aus der Annahme der vollständigen Informationseffizienz des Marktes und der Annahme der vollständigen Risikoneutralität der am Markt handelnden Subjekte. Daraus ergibt sich folgendes Bild:
Die Erwartungshypothese liefert die gedankliche Grundlage für die Berechnung von forward rates bzw. impliziten Terminzinssätze die den erwarteten Spotzinssätzen entsprechen. Seit Fama ist bekannt, dass Forward Rates die Richtung, aber nicht das Ausmaß von Zinsänderungen prognostizieren. Die Erwartungshypothese erklärt, warum in Hochzinsphasen die Zinsstruktur häufig invers ist und warum in Niedrigzinsphasen die Zinsstruktur in der Regel steigend ist. Sie erklärt jedoch nicht, warum steigende Zinsstrukturen die Regel und inverse Zinsstrukturen die Ausnahme sind. Darüber hinaus vernachlässigt sie, dass langlaufende Anlagen ein höheres Risiko aufweisen als kurzfristige. Die LiquiditätspräferenzhypotheseDie Liquiditätspräferenzhypothese ergänzt zur Erwartungshypothese den Umstand, dass Investoren ihre zukünftigen Pläne nicht genau kennen und deshalb ihre Mittel lieber kurzfristig anlegen. Dies wird durch die Furcht begründet, dass man langfristig angelegte Mittel nur zu ungünstigen Bedingungen wieder flüssig machen kann. Um die Investoren zu langfristigen Anlagen zu motivieren, wird daher eine Liquiditätsprämie bezahlt. Dies erklärt, warum die Zinsstruktur in aller Regel steigend ist. Kombiniert man die Aussagen von Erwartungshypothese und Liquiditätspräferenzhypothese, so kann man aus der Zinsstruktur die vom Markt erwartete Zinsänderung ableiten, zum Beispiel:
Die Liquiditätspräferenzhypothese allein kann inverse Zinsstrukturkurven nicht erklären. Die MarktsegmentierungshypotheseDie Marktsegmentierungshypothese beruht auf der Erfahrung, dass es keinen einzigen einheitlichen Anlagemarkt gibt, sondern dass die Marktteilnehmer in einem Segment operieren und dieses selten verlassen. Somit gibt es Angebot/Nachfrage-Situationen in jedem einzelnen Segment, was zu verschiedenen Zinssätzen in den einzelnen Segmenten und damit einer nicht-flachen Zinsstruktur führt. Die Marktsegmentierungshypothese ist in der Lage zu erklären, warum es auch (aber selten) zu unregelmäßigen Zinsstrukturen kommt, z.B. mit einem Buckel. Neben diesen Zinsstrukturtheorien bzw. -hypothesen, die den Verlauf der Zinsstruktur durch Faktoren erklären wollen, die im Grunde außerhalb der Finanzmärkte liegen (Erwartungen, Präferenz für möglichst liquides Vermögen und feststehende, meistens institutionell bestimmte Bevorzugung ganz bestimmter Laufzeiten), gibt es die sogenannten Zinsstrukturmodelle im engeren Sinne. Diese haben den viel bescheideneren Anspruch, die Zusammenhänge innerhalb der Zinsstrukturkurve, das heißt die Zusammenhänge zwischen Zinssätzen unterschiedlicher Restlaufzeiten zu erklären. Spot rates und forward ratesDie Zinsstruktur ist eine Abfolge von spot rates, das heißt, von Zinssätzen gültig ab dem heutigen Tag, zu ihrer Bindungsdauer. Aus der Zinsstruktur können forward rates berechnet werden, das sind Zinssätze, die ab einem bestimmten Datum in der Zukunft zu einer bestimmten Bindungsdauer gelten. Ermittlung der ZinsstrukturEine wichtige Quelle für Rohdaten sind hier die Renditen von erstklassigen Nullkuponanleihen mit verschiedenen Restlaufzeiten, aber auch Kuponanleihen, z.B. die Preise von Staatsanleihen, werden genutzt. Die kupontragenden Anleihen bringen das Problem der Kuponverzerrung (Der Kupon hat eine andere Laufzeit als die gesamte Anleihe) mit sich. Daher ist die Berechnung sehr schwierig. Grundsätzlich müssen natürlich alle anderen Variablen, wie z. B. die Bonität des Schuldners, konstant sein. Gegebenenfalls wird die Zinsstrukturkurve durch die Sätze der Swapmärkte oder Marktzinssätze (LIBOR, …) ermittelt. SwapmärkteHier wird sich zu Nutze gemacht, dass Swapsätze identisch sind mit Kupons von Anleihen, die zu pari notieren. Es verursacht jedoch auch Sonderprobleme. Auf unvollkommenen Märkten kann die Wahl des Referenzzinssatzes die Bewertungszinssätze beeinflussen. Es ergeben sich Dispositionserträge durch die Ausnutzung kurzfristiger Preisdifferenzen. Problem: Die ermittelten Zero-Bond-Renditen beziehen sich auf den Swapmarkt und sind nicht mit den Bundesanleihen vergleichbar, da sie empirisch 30 bis 40 Basispunkte höher liegen. BootstrappingUm aus der Swap-/Renditekurve die Zinskurve zu berechnen, wird das sogenannte Bootstrapping benutzt. Dabei werden die Diskontfaktoren sukzessive aus den Faktoren der vorhergehenden Perioden berechnet.
Sonderprobleme ergeben sich daraus, dass Zero Bond Renditen nur im Jahresabstand vorhanden sind. Damit könnte die Bewertung eines alten Swaps nicht möglich sein. Dies lässt sich jedoch durch Interpolation lösen. Auf diese Weise lässt sich bspw. eine fiktive Rendite der Restlaufzeit von T=1/2 ermitteln. Eine weitere Frage ist, ob der Bid- oder der Offerswapsatz verwendet werden soll. Hier kann der Mittelwert genommen werden. Außerdem stellt sich die Frage der Zinsstrukturkurve im unterjährigen Bereich. Heranziehen lassen sich dafür die Geldmarktzinssätze, was aber unüblich ist, da es sich um Kassamarktzinsen handelt. Alternativ werden Geldmarkt-Futures eingesetzt, aus denen die Zinsstrukturkurve im unterjährigen Bereich mittels impliziten Terminsätzen berechnet werden kann. Ermittlung aus ForwardpreisenErmittlung aus s-jährige Forwardpreisen auf eine Kuponanleihe mit x Jahren Restlaufzeit. Der mit dem s-jährigen Zinssatz abgezinste Forwardpreis entspricht dem Barwert der in s gekauften Anleihe (Zahlungen erst ab s berücksichtigt). Statistische VerfahrenEs werden diskrete von stetigen Verfahren unterschieden. Stetige Verfahren umfassen Spline-Verfahren, das Nelson-Siegel-Verfahren und das von der Bundesbank verwendete Svensson-Verfahren (auch erweitertes Nelson-Siegel). Die Bundesbank nutzt dabei die durchschnittliche Effektivverzinsung von laufenden Kuponanleihen (insbesondere Bundesanleihen) um Zinsstrukturkurven zu ermitteln. Als Bootstrapping bezeichnet man ein Verfahren zur Ermittlung der Spot-Rate-Strukturkurve aus Marktdaten. Grafische DarstellungDie Zinskurve kann folgende Ausformungen haben: Normale (steigende) ZinskurveDie Zinskurve ist meist steigend, d.h. für längere Bindungsdauern werden höhere Zinsen bezahlt. Das kann der Ausdruck dafür sein, dass der Markt höhere Zinsen in der Zukunft erwartet; ebenfalls wird die längere Bindungsdauer mit einer Liquiditätsprämie und einer Risikoprämie abgegolten. Flache ZinskurveDies bedeutet, dass die Zinsen von der Bindungsdauer unabhängig sind. Unter der Annahme, dass der Markt eine Liquiditätsprämie und Risikoprämie zahlt, bedeutet dies, dass fallende Zinsen erwartet werden. Inverse (fallende) ZinskurveFür langfristige Anlagen werden weniger Zinsen bezahlt als für kurzfristige Anlagen. Dies bedeutet, dass der Markt für die Zukunft stark fallende Zinsen erwartet (z.B. durch Leitzinssenkungen der Notenbank) und die Akteure folglich lieber in kurzfristige Anlagen investieren. Die dadurch entstehende Nachfrage "am langen Ende" drückt die entsprechenden Zinssätze. Dies war in der Vergangenheit oft ein Vorzeichen für Wirtschaftskrisen. Aber es gibt auch außerordentliche wirtschaftliche Umstände, die eine inverse Zinskurve bedingen. Kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands war die Zinskurve beispielsweise invers. Unregelmäßige ZinskurveUnter den unregelmäßigen Zinskurven ist die "buckelige" (wie abgebildet) die häufigste. AnwendungenDie Zinsstrukturkurve lässt sich einsetzen bei der Bewertung von festverzinslichen Titeln. Es lässt sich der theoretische Preis und Kurs berechnen. Auch die Sensitivität des Kurses und Preises des festverzinslichen Titels gegenüber Zinsänderungen lässt sich erfassen. Außerdem eignet sich die Zinsstrukturkurve auch für die Berechnung von impliziten Terminzinssätzen, Szenarioanalysen und für die Bewertung von Zinsderivaten. Arbitragemöglichkeit bei konstanter inverser ZinsstrukturGeht eine inverse Zinsstruktur nach einem Jahr sicher wieder in dieselbe inverse Zinsstruktur über, so besteht eine Arbitragemöglichkeit. Es bieten sich zwei Strategien an:
Gehe Strategie A long und B short Dann ergibt sich heute und nach einem Jahr eine Auszahlung von 0. Nach zwei Jahren besteht die Auszahlung in der Differenz: (1 + y(1))2 − (1 + y(2))2 > 0 aufgrund der inversen Zinsstruktur. Sonstige Ermittlung von ArbitragemöglichkeitenOb eine Zinsstrukturkurve Arbitragemöglichkeiten bietet lässt sich feststellen, indem ein Arbitragetableau gebildet wird, oder eine Umrechnung in die Terminkurve/Diskontstrukturkurve erfolgt
Normale Zinsstruktur und einperiodige TerminpreiseEine normale Zinsstruktur muss nicht steigende einperiodige Terminzinssätze bedeuten. Eine normale Zinsstrukturkurve liegt vor, wenn Bsp.: y(2)=0,1 und r(2,3)=0,16, dann ist y(3)= 0,12.., sei y(3)<r(3,4)=0,14; so ist y(4)=0,125. wir haben eine normale Zinsstruktur y(2)=0,1 y(3)=0,12 y(4)=0,125, aber nicht steigende Terminzinsen r(2,3)=0,16, r(1,4)=0,14. Zinsstruktur und zukünftige SpotzinssätzeDie Zinsstruktur ist eine Momentaufnahme bezüglich unterschiedlicher Restlaufzeiten und lässt keine Aussage über die Zukunft zu. Es lassen sich lediglich die impliziten Terminzinssätze berechnen. Diese sind aber in der Regel nicht identisch mit den zukünftigen Spotzinssätzen. Literatur
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